
Schillernd und vor Phantasie strotzender Jahrhundertroman - Marquez berühmtester Roman, einer der bedeutendsten Vertreter des magischen Realismus, ist ein literarisches Ungetüm. Hundert Jahre, viele Generation folgen wir der Geschichte der Familie Buendia, die mitten im tiefsten Urwald ein Dorf aufbaut - Macondo - und deren oft tragischen Erlebnissen wir fortan folgen. Es handelt sich um keinen Roman im eigentlichen Sinne, vielmehr eine Ansammlung unzähliger Anekdoten und Episoden, die lose miteinander verknüft sind. Wenn es so etwas wie einen roten Faden gibt, dann ist es die Einsamkeit, die dieser Familie wie ein Fluch anlastet, und schlussendlich auch ihr Schicksal besiegelt. Ohne einer richtigen Geschichte gelingt es Marquez dank seiner unbändigen Phantasie, nicht nur einen ganzen Ort mitsamt seiner Einwohner zum Leben zu erwecken, sondern auch das Interesse des Lesers zu wecken. Hier treten prophetische Zigeuner auf, Plagen überziehen das Dorf, mal befällt jeden Einwohner Stummheit, dann steigt ein Mädchen wortwörtlich zum Himmel auf, Söhne ziehen aus und schließen sich der Revolution im Lande an, einer wird gar zum Anführer und zeugt fast zwanzig Söhne - es mangelt nicht an Ideen, und derart geschickt wird hier Alltägliches mit phantastischen Elementen verwoben, das es nur stimmig erscheint, wenn Wunder vollbracht werden, und sich Tragödien ereignen. Was oft absurd und grotesk anmutet, ist innerhalb des Werks immer stimmig, und das ist eine Leistung von Marquez, die man kaum genug würdigen kann.Im letzten Drittel wird es bisweilen unübersichtlich, kaum noch behält man den Überblick über alle Charaktere. Hierfür entschädigt das grandiose Ende.Die größte Errungenschaft des Romans ist seine sprachliche Schönheit, die einem zuweilen den Atem nimmt. Vergleichbares findet man nicht oft, mir fallen da nur Hugo und Melville ein. Hier ist ein Titan der Sprache am Werke, aus jeder Zeile sprießt seine schillernde, vor Phantasie überbordernde, wortgewaltige Begabung hervor. Marquez könnte die Beschaffenheit einer kahlen Wand beschreiben, es wäre noch immer ein Lesegenuss.Noch eine Anmerkung zu dieser Ausgabe: aufgrund der kleineren Seitengröße und des festen Einbands kommt das Buch sehr handlich und kompakt daher, man kann es problemlos mit sich tragen und jederzeit aus der Hosentasche hervorzaubern. Klingt albern, macht dieses Buch aber noch liebenswerter, ein wahres Prachtstück.Jahrhundertroman, Weltliteratur, Nobelpreisträger - mehr muss nun nicht mehr gesagt werden.
Überwältigend - Das ist definitv eines der besten Bücher die ich je gelesen habe. Mit unerhörter Lust am Erzählen breitet Marquez seine Welt aus, und man kann nur offenen Mundes Staunen über seine unendliche Phantasie. Das ist natürlich ein relativ dickes Buch, und große Literatur ist es auch, also für den drei-Krimis-im-Jahr-Leser vielleicht nicht geeignet. Jeder der sich nur ein bisschen für Literatur interessiert wird aber genauso überwältigt sein wie ich. Unbedingte Kaufempfehlung.
Unbändig - Es gibt Romane, die liest man nach einigen Jahren ein zweites Mal und ist erstaunt darüber, daß sie nichts von ihrer Kraft verloren haben. Das Etikett Magischer Realismus ist Márquez angeheftet worden und ihm sind viele südamerikanische Autoren gefolgt, für die er in Europa den Türöffner lange vor dem Nobelpreis gespielt hat. Der Aufstieg und Fall der Familie Buendía, das Dorf Macondo gehören zum Besten, was Literatur einem Leser bieten kann. Sprache, Poesie, eine aberwitzige Handlung, ein Gefühl für die Zeiten und Menschen eines Landstrichs. Man sucht sich selbst darin, taucht auf und verschwindet wieder. Das Leben stellt sich in Träumen wie Alpträumen dar, sieht sich den Wirren der Politik ausgesetzt, den eigenen Schwächen, den Versuchungen, den Sünden, schildert das Sterben, als gehöre es zum Fest des Leben. Aus allem erwächst ein Mythos, die Tragödie an sich und zwischendurch hört man ein verstohlenes Lachen. Schwach, sich selbst verzeihend, vorwärtsdrängend. So ist das halt mit den Menschen. Nicht nur in Südamerika. Selbst schuld, wer dieses Buch noch nicht gelesen hat.
Schwere Kost, aber lesenswert - Man sollte sich schon Zeit nehmen für dieses Buch, denn 100 Jahre Einsamkeit ist kein schneller Roman für zwischendurch. Die Familienchronik der Buendias erstreckt sich über soviele Generationen, dass ich ehrlich gesagt ein bisschen den Überblick verloren habe. Der Hauptgrund hierfür ist, dass alle männlichen Vertreter der Familie (und es gibt verdammt viele davon), nur zwei verschiedene Vornamen erhalten. Wie oft bei Familienchroniken gibt es auch keine durchgängige Handlungen, sondern immer wieder neue Handlungsstränge, Anekdoten oder kleien Geschichten über die einzelnen Familienmitglieder. Zugegeben, zum Teil kann das etwas langatmig werden, und die Verwirrung lässt einen manchmal schon etwas genervt werden. Vielleicht wäre es klug, sich beim Lesen nebenher einen Stammbaum zu zeichnen! ,) Doch ich finde, Marquez Schreibstil und einzigartige Sprache macht einiges wieder wett. Vor allem wenn man es schafft, eine größere Passage am Stück zu lesen, kommt dies voll zur Geltung, da zumindest ich immer erst ein bisschen gebraucht habe, um mich hineinzufinden. Ich werde auf jeden Fall noch ein Buch von Gabriel Garcia Marquez lesen!
Beim zweiten Anlauf richtig super... - Gabriel Garcia Marquez` Roman löste in Lateinamerika ein literarisches Erdbeben aus, die Kritik bezeichnet ihn als Meisterwerk und die zahlreichen Leser in aller Welt bestätigen dieses Urteil.Ich muss sagen, dass diese allgemeine Begeisterung anfangs für mich nicht nachvollziehbar war. Es war ausgesprochen schwierig, bei diesen vielen sich überschneidenden Generationen mit den ewig gleichen Namen (Aureliano und Arcadio) den Überblick zu behalten. Beim zweiten Anlauf entdeckte ich allerdings den roten Faden und selbst die Namen wurden im Verlauf der Handlung zum Schlüssel des jeweiligen Schicksals.Man begleitet die, mit genialen Fähigkeiten ausgestattete Familie Buendia von ihrer Gründung bis zum völligen Zusammenbruch, wobei auf den ersten Blick kaum ein chronologischer Ablauf zu erkennen ist.Die Schilderung alltäglichen Geschehens im kolumbianischen Urwald wechselt mit Erzählungen aus der Mystik der antiken und der biblischen Welt. In unerschöpflicher Fülle fügen sich skurrile Episoden, Legenden und Anekdoten aneinander und beschreiben die reale Wirklichkeit Lateinamerikas.Es ist ein wunderbares Buch, für dessen Lektüre man sich wirklich Zeit nehmen sollte.